Nachrichten Februar 2020

Gut 400 Schüler aus Gunzenhausen und Umgebung erfuhren einiges über die Schattenseiten des Rauchens: In den Räumen der Streetwork-Anlaufstelle der Diakonie Weißenburg-Gunzenhausen hatte die Wanderausstellung „krass – Was Du über Rauchen vielleicht noch nicht wusstest“ ihren Platz gefunden und brachte den jungen Menschen einiges an Hintergrundwissen über Zigaretten sowie Shishas näher. Streetworkerin Joana Sämann und Svenja Memet, Präventionsfachkraft der Suchtberatung, zeichneten sich für die Initiierung des Präventionsangebotes verantwortlich, bei der Durchführung erhielten sie Unterstützung von zahlreichen Kollegen der Jugendhilfe.

„In Deutschland greifen viele Jugendliche schon vor dem 15. Geburtstag das erste Mal zur Zigarette“, schildert Svenja Memet die Hintergründe des Projektes. „Rund zwei Drittel der Rauchenden zwischen 12 und 25 Jahren möchten eigentlich damit aufhören.“ Grund genug, dass sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Joana Sämann das Thema aufgriff und die von der Stadt Nürnberg vertriebene Ausstellung „krass“ nach Gunzenhausen ins Postgässchen holte. „Wir wollten den Jugendlichen Infos über die Wirkungen von Tabak an die Hand geben“, ergänzt Sämann. „Dann können sie sich mit dem Hintergrundwissen besser selbst entscheiden – und greifen vielleicht erst gar nicht zur Zigarette.“ Je früher geraucht wird, desto gravierender sind schließlich die Folgen.

Die beiden Sozialpädagoginnen konnten schließlich zwischen dem 4. und dem 14. Februar 2020 Teilnehmer aus der Stephani-Mittelschule Gunzenhausen, Mittelschule Gräfensteinberg-Haundorf, Wirtschaftsschule Gunzenhausen, Altmühlfanken-Schule Weißenburg-Gunzenhausen, Jugendwerkstatt Langenaltheim sowie vom Simon-Marius-Gymansium Gunzenhausen im „Streetwork“ willkommen heißen. Die geführten Ausstellungen wurden jeweils von drei Fachkräften angeleitet. „Die Kleingruppen ermöglichten ein Eingehen auf individuelle Fragen und boten einen geschützten Rahmen für einen offenen Austausch“, berichten Sämann und Memet.

An der ersten Station stand die Auseinandersetzung mit den Inhaltsstoffen der Glimmstängel an. Wer weiß schon, dass diese über 4000 chemische Stoffe enthalten, von denen 200 gesundheitsschädlich und letztlich 70 krebserregend sind? Plastisch wurde den jungen Menschen vor Augen geführt, dass sich die Inhaltsstoffe eigentlich in Putzmitteln, Motorölen oder Nagellackentfernern wiederfinden. Bilder einer durch langjähriges Rauchen geschwärzten Lunge machten mögliche Auswirkungen deutlich. Ausführlich thematisiert wurde, welche Beweggründe es gibt, dass doch weiterhin so viele Menschen mit dem Rauchen beginnen. „Cool sein und dazu gehören“, benannten die Jugendlichen hier. Zudem wurde auf eine typische Raucher-Karriere eingegangen. Darauf aufbauend setzten sich die Teenager damit auseinander, welche Möglichkeiten es gibt, wieder mit dem Rauchen aufzuhören: „Die Schlusspunkt-Methode hat sich als am effektivsten erwiesen“, untermauert Sämann.

An der nächsten Station, die mit verschiedenen Plakaten die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, wurde die Geschichte des Tabaks aufgezeigt. Ein Kreuzworträtsel animierte die Schüler sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen und den Fragen nachzugehen, was Rauchen mit Kinderarbeit zu tun hat oder warum Rauchen den Tropenwald zerstört. Eindrücklich zeigte eine praktische Übung, wie sich Rauchen auf die Funktion der Lunge auswirken kann: Beim Lungenvolumentest wird eine Kerze in einem Meter Entfernung aufgestellt. Es gilt, diese nun auszupusten. Schafft man dies nicht, deutet es darauf hin, dass die Lunge zu wenig Volumen hat – ein möglicher Hinweis auf zu viel Rauchen.

Besonders beliebt ist bei jungen Menschen derzeit das Rauchen von Shishas. Fast jeder fünfte Schüler hat hier schon Erfahrungen gemacht.  Mit dem Phänomen der Wasserpfeifen setzte sich deshalb die letzte Station auseinander. Zuvörderst wurde auf die geltenden Jugendschutzregeln eingegangen, schließlich ist der Konsum von Tabakwaren unter 18 Jahren eigentlich verboten. Dennoch finden viele junge Menschen Mittel und Wege, um zur Zigarette greifen oder Shisha rauchen zu können. Anhand einer Shisha wurde deren Funktionsweise erklärt und auf die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen eingegangen. Auch die den Tabak ersetzenden Liquide und Steine sind hinsichtlich ihrer Wirkungen alles andere als unbedenklich.

„Die vielfältigen Nachfragen während der Durchführungen machten deutlich, wie groß das Interesse an dem Thema ist“, fassen die Initiatoren abschließend zusammen. „Oft herrscht beim Rauchen ein gefährliches Halbwissen vor, das durch die Ausstellung erfolgreich angegangen werden konnte“. Der Dank der beiden gilt ihren Kollegen aus der Jugendhilfe, deren Unterstützung das Präventions-angebot erst möglich machte: Silvia Loy, Janette Bauer und Veronika Schmidtpeter (Jugendsozialarbeit an der Grundschule Gunzenhausen und Weißenburg sowie der Altmühlfranken-Schule), Thomas Pfaffinger (Jugendsozialarbeit an der Stephani-Mittelschule), Florian Jungwirth (Jugendzentrum Gunzenhausen), Lisa Knorr (Schulsozialpädagogik), Bettina Grundmann (Berufseinstiegsbegleitung), Annika Buckel (Praktikantin), Kerstin Eberle (Jugendwerkstatt Langenaltheim), Stephanie Gögglere und Patricia Wöbken (Eltern- und Jugendberatung) sowie Helga Guth (Kinder- und Jugendhilfe Bezzelhaus) führten die Klassen erfolgreich durch die „krass“-Ausstellung.

Es ist Samstag-Vormittag. Zwanzig Jugendliche sitzen zusammen und beschäftigen sich in Workshops mit Pornografie, brutaler Sprache und Schönheitsidealen. Nachmittags geht es auf eine Teamchallenge, hier beweisen die Teenager, wie gut sie zusammen arbeiten können. Die Teenager kommen aus Weißenburg und Gunzenhausen und sind dort an ihren Schulen – der Stephani-Mittelschule sowie der Altmühlfranken-Schule – als Streitschlichter tätig. Einmal im Jahr geht es für die Gruppe auf ein mehrtägiges Seminar-Wochenende, das unter Leitung der Jugendsozialarbeiter Veronika Schmidtpeter (Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen) und Thomas Pfaffinger (Diakonie Weißenburg-Gunzenhausen) stattfindet. Unterstützend brachten sich heuer Studentin Daniela Russer sowie Schulbegleiterin Doris Lechner mit ein. Finanziell möglich wurde die Bildungsmaßnahme durch Zuwendungen der Sankt Gumbertus-Stiftung Ansbach sowie der Fördervereine der beiden Schulen.

Streitschlichter 2020 a

Die drei Tage im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum stehen dieses Mal unter dem Thema „Grenzenlose Freiheit?!“. Am ersten Tag nähern sich die Jugendlichen dem doch abstrakten Begriff „Freiheit“ in einer Kleingruppenarbeit an: Was ist für mich Freiheit? Wodurch bzw. durch wen wird diese eingeschränkt? Anhand verschiedener Rollenspiele sind die Jungen und Mädchen dazu aufgefordert, die Erkenntnisse ihren Streitschlichter-Kollegen aufzuzeigen. „Uns ist es wichtig, mit den Schülern über eigene Erfahrungen und Erlebnisse ins Gespräch zu kommen. Freiheit verknüpft ein jeder mit anderen Gefühlen“, macht Veronika Schmidtpeter deutlich. Die Situationen sind deshalb an den Lebenswelten der jungen Menschen angelehnt. „Dadurch können sich diese rasch damit identifizieren.“ Anhand der erlebnispädagogischen Aktion „Katastrophen-Spiel“ erfahren die Teilnehmer schließlich, wie es sich anfühlt, in der persönlichen Freiheit eingeschränkt zu sein.

Damit die Gruppe im Lauf der Tage zusammenwachsen kann, stehen viele Elemente zur Förderung des „Wir-Gefühls“ auf dem Programm, unter anderem gibt es das „Buddy-System“: Jedem wird eine Person der Gruppe zugeordnet, um den es sich gilt, über das gesamte Wochenende in besonderer Form zu kümmern. Die vollbrachten guten Taten kann ein jeder in einer extra angefertigten „Karma-Karte“ festhalten. Möglichst viel gutes Karma – also positive Ausstrahlung – soll gesammelt werden. All dies schlägt sich tatsächlich in einer besonders tollen, von Wertschätzung und Respekt geprägten Stimmung nieder. Gemeinschaftsstiftende Aktionen wie Kegeln, Angebote  in der Turnhalle oder Brett- und Kartenspiele  fördern das soziale Miteinander weiter. „Alle Smartphones sind tagsüber weg gesperrt“, schildert Thomas Pfaffinger. Anfangs murren doch einige der Schüler, im Verlauf des Seminars fallen dann aber Sätze wie „Ich will mein Handy gar nicht zurück, ich will lieber nochmal in die Halle zum Fußball spielen“.

Streitschlichter 2020 b

Besonders nachhaltig gestalten sich schließlich die Workshops am Samstag-Vormittag. „Die Themen „Pornografie“, „Schönheitsideale“ und „Brutale Sprache“ kommen direkt aus dem Alltag der Jugendlichen. Damit sind diese nahezu jeden Tag konfrontiert“, machen Pfaffinger und Schmidtpeter deutlich. Doch in diesen Bereichen werden auch schnell die Grenzen von Freiheit deutlich. Songtexte aus teils frauenverachtenden und sexistischen Rap-Songs werden analysiert, soziale Medien wie Instagram oder Snapchat kritisch hinsichtlich der dort veröffentlichten Bilder unter die Lupe genommen und offene Gespräche über Pornos geführt. „Den ersten Kontakt mit Pornos im Internet machen Kinder häufig schon im Grundschulalter“, weiß Schmidtpeter.

Der Samstagnachmittag steht schließlich ganz im Zeichen des Teamworks: Bei einer Teamchallenge stellen sich die Heranwachsenden verschiedenen Aufgaben, beweisen ihre Geschicklichkeit in einem Niedrigseilgarten und sollen als Herausforderung eine Bretterwand überwinden. Dies ist für alle besonders eindrucksvoll, die Aufgabe gelingt tatsächlich nur mit vereinten Kräften. Am Ende der doch auch fordernden Aktionen sind die Teenager sichtlich stolz. „Ebensolche Erfolgserlebnisse tun enorm gut“, freuen sich Schmidtpeter und Pfaffinger, die beide bereits seit zehn Jahren an ihren Schulen tätig sind.

Seinen Abschluss findet das Seminar-Wochenende am Sonntag. Die Ergebnisse aus den Workshops werden anhand von Plakaten nochmals aufgezeigt und zusammengefasst. Zudem bringen die Teilnehmer das Erarbeitete in Bezug zu ihrer Tätigkeit als Konfliktlotsen.  Bei der abschließenden Reflexionsrunde fassen die Jungen und Mädchen zusammen, was für sie für sich aus den vergangenen Tagen mitnehmen: „Gemeinschaft“, „Spaß“, „Freunde“ und „Zusammenhalt“ sind die Worte, die hier am häufigsten fallen.