Nachrichten September 2020

„Welche Eigenschaften müsste ein Super-Streitschlichter haben?“ – dieser Frage gingen Jungen und Mädchen der Stephani-Mittelschule und der Altmühlfranken-Schule in Gunzenhausen nach. Sie traten in diesen Tagen ihre Ausbildung zum Konfliktlotsen an und kamen nun bei einem Treffen erstmalig zusammen. Denise Mayer (Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen) und Thomas Pfaffinger (Diakonie Weißenburg-Gunzenhausen) leiten die 18-köpfige Gruppe an und freuen sich über eine beständig große Resonanz an ihrem Angebot.

„Gut zuhören“, „Höflich und nett“, „Sich durchsetzen können“, „Humorvoll“ sind einige der Stichworte, die die Kinder und Jugendlichen zusammentragen. In der Mitte des großen Stuhlkreises liegt eine aufgemalte Figur, der Super-Streitschlichter. Zusehends wird dieser mit den scheinbar nötigen Charaktermerkmalen eines imaginären Vorbildes gefüllt. Am Ende ist die Figur fast nicht mehr zu sehen, so viele wichtige Eigenschaften haben die Schüler gefunden und auf Zetteln notiert. „Bringt jemand von euch denn all diese Merkmale mit?“, stellt Jugendsozialarbeiterin Denise Mayer die entscheidende Frage. Die Schüler überlegen, schauen skeptisch die anderen an. „Natürlich nicht! Auch wir Sozialpädagogen sind keine Super-Streitschlichter“, sorgt ihr Kollege Thomas Pfaffinger für Erleichterung bei den Siebt- und Achtklässlern. Während der Ausbildung zum Streitschlichter gehe es vielmehr darum, an diesen Eigenschaften zu arbeiten, im Laufe der Zeit bestimmte Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben. In den nächsten Monaten werden die Schüler in den Bereichen Kooperation, Kommunikation geschult und lernen, die fünf Phasen der Mediation anzuwenden. Dabei sollen sich die Jungen und Mädchen Wissen und praktisches Können aneignen, um schließlich an ihren Schulen für eine gewaltfreie Lösung von Konflikten sorgen zu können.

„Wir richten unsere Einheiten an der Lebenswelt der Jugendlichen aus – praktische Übungen und vor allem Teamarbeiten sind uns besonders wichtig“, erläutern Mayer und Pfaffinger. Einmal monatlich findet die Ausbildung nun statt. Besonders intensiv wird es dann während eines 4-tägigen Seminar-Wochenendes. Geplant ist der Aufenthalt für März 2021 im Schullandheim in Heidenheim. Auch die aktuell aktiven Streitschlichter der Schulen werden mit dabei sein. „Die erfahrenen Schüler bringen sich hier unterstützend mit ein, stehen als Ansprechpersonen zur Verfügung und können ihr Wissen weitergeben.“ Anhand eines Patensystems zeigt sich jeder der Streitschlichter verantwortlich für einen der Auszubildenden.

Streitschlichterausbildung 2020/21

Wie beliebt und angesehen die Tätigkeit als Streitschlichter an den beiden Schulen ist, zeigt sich an den vielen Bewerbungen, die einem Aufruf der Sozialpädagogen im vergangenen Schuljahr folgten: Über 30 Schüler wollten die Ausbildung beginnen und gaben ihr Bewerbungsformular ab. Nach Vorstellungsgesprächen – kleinen Castings, bei denen die Teilnehmer Aufgaben und Fragen bewältigen sollten – fiel die Wahl auf 18 geeignete Schüler. Diese lernten sich beim zurückliegenden Termin nun schon durch einige Übungen sowie Spiele besser kennen und erfuhren, was sie während der nächsten Monate erwarten wird.

Um in Zeiten der COVID-19-Infektionen eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat unsere Bundesregierung eine sogenannte "AHA-Regel" ausgegeben. Diese steht für Abstand halten, Hände waschen und Alltagsmasken. Nun hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mitgeteilt, dass die Regel um ein "L" ergänzt werden muss: Somit sei u. a. auch an Schulen regelmäßiges Lüften in allen Unterrichtsräumen, Büros, ... wichtig. Bitte denken Sie als Eltern daran, Ihrem Kind eine dieser Situation angepasste Kleidung für den Schulbesuch mitzugeben. Während das Lüften eine Empfehlung ist, gilt an bayerischen Schulen nach wie vor eine Maskenpflicht auf dem gesamten Schulgelände mit Ausnahme des eigenen Platzes im Klassenzimmer bzw. sonstigem Unterrichtsraum.

An der Stephani-Mittelschule und der Altmühlfranken-Schule in Gunzenhausen sind in diesem Schuljahr 13 Jungen und Mädchen als Streitschlichter tätig. Diese sorgen an den beiden Schulen für ein gewaltfreies Klima und unterstützen auch in Zeiten von Corona ihre Mitschüler bei der Lösung von auftretenden Konflikten. Beim ersten Treffen, das im Garten des Jugendzentrums stattfand, erstellten die Schüler ihre neuen Dienstpläne und setzten sich mit den Hygienemaßnahmen auseinander, die während ihrer Schlichtungen gelten sollten.

Streitschlichter im Schuljahr 2020/21

Zu Beginn des Treffens galt es aber erstmals, Denise Mayer zu begrüßen, die sich als Sozialpädagogin des Landratsamtes Weißenburg-Gunzenhausen an der Altmühlfranken-Schule für die Belange der Schüler einsetzt und sich deren Problemlagen annimmt. Gemeinsam mit Diakonie-Mitarbeiter Thomas Pfaffinger, der seit nunmehr elf Jahren an der Mittelschule tätig ist, ist sie nach einem Arbeitsplatzwechsel wieder für die Ausbildung, Begleitung sowie Anleitung der Konfliktlotsen zuständig.  Die beiden Fachkräfte sind überzeugt vom Konzept der Schüler-Mediation und machen deutlich, „dass den Streitschlichtern eine ganz besondere Chance zukommt, für ein gutes Miteinander in der Schule beizutragen.“ Als Gleichaltrige könnten sie die Problemlagen und Interessen der Streitenden viel besser nachvollziehen, als dies Erwachsenen möglich sei. Die Schlichtungen fänden auf Augenhöhe statt, es gäbe im Regelfall keine Verweise oder Mitteilungen, wenn sich Schüler für eine freiwillige Schlichtung entschieden haben.  

„Wir sind keine Richter, sondern möchten vielmehr mit unseren gelernten Methoden bei der Lösungssuche unterstützen“, machen Arianit Blakaj und Anna Zakaryan deutlich, die als Sprecher der 13-köpfigen Gruppe fungieren. „Nur eine Lösung, die für alle passt, ist eine gute Lösung!“ Arianit und Anna schlossen vor über drei Jahren ihre Ausbildung zum Streitschlichter ab, nachdem sie zuvor gut ein halbes Jahr lang ausgebildet wurden. „Vor allem beim Seminar-Wochenende haben wir eine Menge gelernt und geübt“, berichten die beiden. „Es war schon eine anstrengende Zeit, bis wir endlich fertige Konfliktlotsen waren, aber es hat auch richtig viel Spaß gemacht.“ Von ihrer Tätigkeit profitieren sie nach eigenen Aussagen in vielfältiger Weise: „Wir sind selbstbewusster geworden, regeln auch eigene Konflikte besser als früher und erfahren viel Bestätigung für unseren Dienst – das tut gut!“ Als besonderen Gewinn für ihre Schützlinge sehen Mayer und Pfaffinger zudem den Aufbau neuer Freundschaften. Über mehrere Jahre kommen die Schüler schließlich regelmäßig zusammen, „da lernt man sich schon sehr gut kennen.“ Vor allem die Aufenthalte im Schullandheim Heidenheim und Bildungs- und Tagungszentrum in Pappenheim hätten die Gruppe zusammengeschweißt.

Entsprechend angenehm ist die Atmosphäre beim ersten Treffen im Garten des Jugendzentrums. Während im Schulhaus noch überall Maskenpflicht gilt, können sich die Jungen und Mädchen hier im Freien zumindest ohne Maske begegnen. Auf Abstand wird natürlich weiter geachtet. So überlegt sich die Gruppe schließlich, welche Regeln während ihrer Schlichtungen im Streitschlichter-Zimmer gelten müssen. „Masken und Fenster auf, Hände waschen und am Ende alles desinfizieren“, bringt es der 15-jährige Arianit auf den Punkt.  Die Konfliktlotsen legen schließlich noch ihren Dienstplan für das Schuljahr fest. Für jeden Wochentag sind zwei bzw. drei Schüler eingeteilt, um bei Bedarf am Pausenhof einschreiten und schlichten zu können. Wie wichtig hier ihr Dienst ist, wird sogleich am nächsten Schultag deutlich: Während der Pause gibt es eine körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei Jungs, von der Klassenlehrerin werden sie dann zur Klärung des Problems zu den Streitschlichtern geschickt. „Jetzt, wo wieder alle Schüler jeden Tag in der Schule sind, haben wir auf jeden Fall wieder viel mehr zu tun.“

In den ersten beiden Wochen des Schuljahres 2020/21 ordnete das Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus eine Maskenpflicht für alle Personen auf dem gesamten Schulgelände der bayerischen Schulen an. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass Masken beschädigt oder verschmutzt werden. Für diesen Fall ist es von Vorteil, wenn Schulen über einen gewissen Vorrat an Ersatzmasken verfügen.

Die Firma Verpa aus Gunzenhausen unterstützt in der Region diverse Schulen, u. a. auch die Stephani-Mittelschule, mit einer großzügigen Maskenspende. Die Masken wurden am 10. September 2020 im Beisein einer Mitarbeiterin von Radio 8 Ansbach unserer Schule übergeben. Das Foto zeigt Mitarbeiter der Firma Verpa mit der Schulleiterin Sandra Wißgott.

Übergabe der Masken durch die Firma VerpaFoto: Chiara Bischoff, Radio 8

An der Stephani-Mittelschule Gunzenhausen üben ab September 15 Schüler als neue Tutoren ihren Dienst aus. Die Jungen und Mädchen wurden seit Ende der Pfingstferien von Sozialpädagogen Thomas Pfaffinger (Diakonie Weißenburg-Gunzenhausen) auf ihre Tätigkeit als Starthelfer vorbereitet. Dazu trafen sie sich nun abschließend im Garten des Jugendzentrums, um ihr praktisches Können zu zeigen. Die Inhalte der Ausbildung, die aufgrund der Corona-Einschränkungen vorwiegend online vermittelt werden mussten, waren unter anderem der erste Eindruck, verschiedene pädagogische Grundkenntnisse, die Anleitung von Spielen sowie eine Ideensammlung für die Aktionen im neuen Schuljahr.

Lebte die Starthelfer-Ausbildung sonst vom aktiven Ausprobieren verschiedener Spiele, war in diesem Jahr bedingt durch die Corona-Pandemie alles anders. Während der Schulschließung konnten sich interessierte Jungen und Mädchen aus den achten Klassen für den Dienst per E-Mail bewerben. Diese Schüler erhielten schließlich über mehrere Wochen hinweg insgesamt sieben Aufgabenstellungen, die sie in einem bestimmten Zeitrahmen bearbeiten sollten. Selbständiges Arbeiten aber auch Kleingruppenübungen über WhatsApp waren wesentliche Bestandteile. Ergänzt wurde das Online-Coaching durch Arbeitsblätter mit Informationen rund um die verschiedenen Themen. „Die Ausbildung auf diesem Weg verlief äußerst positiv“, freut sich Sozialpädagoge Thomas Pfaffinger. Jedoch bedeutete dies auch einen insgesamt viel größeren zeitlichen Aufwand als sonst. „Der persönliche Austausch sowie das Ausprobieren von Spielen fehlten außerdem eindeutig.“ Dennoch zeigt sich Pfaffinger zuversichtlich, dass die Inhalte auf diesem Weg adäquat vermittelt und von den Schülern erarbeitet werden konnten. Die Achtklässler jedenfalls überraschten den Jugendsozialarbeiter mit ihrer Motivation und Beteiligung positiv. Die Freude war schließlich sehr groß, dass sich alle noch real treffen konnten.

Ab September sind jeweils bis zu sechs Neuntklässler für eine fünfte Klasse zuständig. Sie begleiten diese beim Ankommen an der für sie neuen Schule, führen Kennenlern-Spiele sowie eine Schulhaus-Rallye durch. Außerdem überlegen sie sich wöchentliche Aktionen, planen diese und führen sie eigenverantwortlich durch. Bei der Generalprobe im Garten des Jugendzentrums zeigten die Schüler schon mal ihre Kenntnisse bei einer fiktiven Vorstellungsrunde. Zudem hatten sie verschiedene kontaktlose Spiele vorbereitet, die sie anleiteten. Nach Einschätzung von Thomas Pfaffinger bewältigten sie dies mit Bravour. Die Jungen und Mädchen stellten unter Beweis, „dass sie das Gelernte praktisch super umsetzen können und fit für ihre Tätigkeit sind.“

Starthelfer im Schuljahr 2020/21

Die Fotos zeigen jeweils die Starthelfer-Gruppen mit Sozialpädagogen Thomas Pfaffinger (Fotografin: Daniela Russer)