Nachrichten September 2021

Insgesamt 16 Jungen und Mädchen sind an der Stephani-Mittelschule und an der Altmühlfranken-Schule in Gunzenhausen als Streitschlichter tätig. Sie setzen sich unter Anleitung der Jugendsozialarbeiter Denise Mayer (Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen) und Thomas Pfaffinger (Diakonie Weißenburg-Gunzenhausen) für ein gewaltfreies Miteinander ein.

Streitschlichter 2021/22

„Konflikte sind alltäglich und gehören zu einem sozialen Lebensraum wie der Schule dazu“, macht Sozialpädagoge Thomas Pfaffinger deutlich. „Uns geht es darum, auftretende Streitigkeiten ohne Gewalt zu lösen und Lösungen zu finden, die alle Beteiligten zufrieden stellen.“ Die sogenannte „win-win-Lösung“ sei schließlich das große Ziel einer jeden Schlichtung.

Ihr Handwerkszeug haben die tätigen Konfliktlotsen im vergangenen Schuljahr gelernt. Nun zeigen sie am Pausenhof Präsenz und unterstützen ihre Mitschüler, wenn es zu Streitigkeiten kommt. „Als Gleichaltrige können die Streitschlichter die Problemlagen ihrer Klassenkameraden häufig viel besser nachvollziehen als wir Erwachsene dies können“, untermauert Denise Mayer ein Erfolgskriterium des Präventionsprojektes. Bei einem Mediationsgespräch sind deshalb Lehrer, Eltern und auch Sozialpädagogen erstmals außen vor. „Konsequenzen wie Verweise oder Mitteilungen fallen in der Regel weg – ein großer Vorteil für alle Beteiligten“, machen Pfaffinger und Mayer deutlich. Dadurch kann ein Rahmen geschaffen werden, in dem eine geführte Konfliktlösung möglich ist.

Wertschätzung und Verständnis für das Gegenüber seien laut den Fachkräften notwendige Schritte, um die Bereitschaft für ein Beilegen der Streitigkeit zu finden. Deshalb haben die Streitschlichter während ihrer Ausbildung auch Methoden des Aktiven Zuhörens kennen- und anwenden gelernt. Diese kommen schließlich bei einem Tafelsystem zum Einsatz. In ihrem Streitschlichter-Zimmer greifen die Mediatoren auf fünf Tafeln zurück, anhand derer sie durch das Gespräch führen. Dabei durchläuft eine Schlichtung mehrere Phasen: Kennlernen/Einleitung, Konfliktdarstellung, Konflikterhellung, Lösungssuche sowie Abschluss/Vertrag. Alle Schritte leiten die Schüler selbständig an, gehen dabei vor allem empathisch und neutral vor. „Unsere Streitschlichter tragen eine hohe Verantwortung“, macht Thomas Pfaffinger, der bereits seit zwölf Jahren an der Mittelschule tätig ist, deutlich.

Die Ausbildung der Streitschlichter litt im vergangenen Schuljahr stark an den Corona-bedingten Einschränkungen. „Der Aufbau von Kooperations- und Teamfähigkeit ist viel zu kurz gekommen.“ Deswegen sehen die beiden Sozialpädagogen hier Nachholbedarf: „Bei unseren monatlichen Treffen werden wir viel Wert auf Übungen in diesen Bereichen legen.“ Darum geht es für die Streitschlichter demnächst zu einer „Teamchallenge“, die vom Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum in Pappenheim angeboten wird. Hier können die Schüler ihre sozialen Fähigkeiten weiter ausbauen, die sie in der alltäglichen Auseinandersetzung mit Streitigkeiten und Konflikten an ihren Schulen benötigen.

„Gemeinsam Brücken bauen“ – so heißt das Förderprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Dieses Förderprogramm wird auch an der Stephani-Mittelschule angeboten.

Gemeinsam Brücken bauen 2021(Silvia Marianantoni und Heike und Pradelt von links)

„Die letzten beiden Schuljahre waren geprägt von der Corona-Pandemie und Distanzunterricht. Auch wenn wir unsere Schülerinnen und Schüler mit Leihgeräten versorgen und Unterricht per Videokonferenz anbieten konnten, waren wir nicht im Stande ganz so gut auf jedes Kind mit seinen individuellen Bedürfnissen einzugehen, wie wir es im Präsenzunterricht vermögen.“, erklärt Rektorin Sandra Wißgott. „Für Schülerinnen und Schüler, die das Gefühl haben, pandemie-bedingte Lücken verbessern zu müssen, bieten wir in diesen Sommerferien eine Sommerschule an.“

Insgesamt 13 Mädchen und Jungen aus den Jahrgangsstufen 5 bis 9 lernen seit dem 30.08.2021 in der Mittelschule. Organisiert und betreut wird die Sommerschule von den Lehrerinnen Heike Pradelt und Silvia Marianantoni. „Den Schwerpunkt haben wir auf die Fächer Mathe, Englisch, Deutsch und Deutsch als Zweitsprache gelegt.“, schildert Silvia Marianantoni. „Wir versuchen die Lerneinheiten möglichst frei und interessant für die Kinder und Jugendlichen zu gestalten. Wer freiwillig in den Sommerferien die Schulbank drückt, soll auch Freude haben, in die Schule zu kommen.“, so Heike Pradelt. „Wir nutzen es voll aus, dass wir viel mehr Platz und Ressourcen haben als im normalen Schulalltag. Uns stehen mehrere Klassenzimmer und die Tabletkoffer zur Verfügung.“, schildert die Lehrkraft weiter. Die Kollegin Marianantoni ergänzt: „Auch das Soziale Miteinander kommt in der Sommerschule nicht zu kurz. Die Schülerinnen und Schüler unterstützen sich gegenseitig beim gemeinsamen Lernen – egal ob sie sich davor kannten oder nicht. Ich bin sicher, dass sie durch die Sommerschule einen guten Start ins neue Schuljahr haben.“