Nachrichten Oktober 2019

„Ich konnte mit dazu beitragen, dass sich die Fünftklässler besser kennenlernten – habe auch erfahren, wie anstrengend Kinder sein können“, zieht Leo Schott aus der Klasse 9b der Stephani-Mittelschule sein Fazit. Der 15-Jährige war einer der an der Schule tätigen Starthelfer. Als Tutor nahm er sich mit 16 weiteren Neuntklässlern den neuen Fünftklässlern an, unterstützte diese in der Zeit bis zu den Herbstferien und stand ihnen als Ansprechperson zur Seite. Hierfür wurden wöchentlich verschiedene Aktionen mit den Jüngeren durchgeführt. Zum Abschluss ging es nun für alle gemeinsam zu einem Besuch ins Movieworld-Kino. Dort erwartete die Teilnehmer der Film „Shaun das Schaf 2 - UFO-Alarm“.

„Zuvor gab es für die neuen Schüler ein abwechslungsreiches Programm, das sie durch die ersten Wochen des Schuljahres begleitete“, berichtet Jugendsozialarbeiter Thomas Pfaffinger von der Diakonie Weißenburg-Gunzenhausen. Julia Hetzner unterstützte als Ehrenamtliche die Durchführung des gesamten Projektes. Neben einem gesunden Frühstück, Sport in der Halle, Minigolf-Turnieren am Altmühlsee sowie Besuchen der Spieloase Jola waren besonders die Schnitzeljagden quer durch Gunzenhausen Highlights für alle. Mit einfachen Mitteln konnten sich hier die Kinder und Jugendlichen abseits vom Schulalltag kennenlernen, gemeinsam eine Menge Spaß sowie kleine Abenteuer erleben. Hinzu kamen noch Back- und Kochnachmittage im städtischen Jugendzentrum, bei denen sich einige der Tutoren richtig ins Zeug legten. „Leckere Pizzen und aufwendige Kuchen sorgten für große Freude und leuchtende Kinderaugen“, schildert Pfaffinger.

Auch für die Starthelfer selbst brachte ihre Tätigkeit eine Menge an lohnenden Erfahrungen mit sich, wie die folgenden Aussagen deutlich machen: „Mir hat es echt super gefallen! Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, konsequent zu sein.“ (Luke Fischer, Klasse 9b), „Ich fand es super, ein Starthelfer zu sein – auch wenn man bei manchen Kindern echt viel Geduld braucht“ (Jan Subkowski, 9a), „Ich habe gelernt, offener vor anderen zu reden“ (Marina Sawazky, 9a). Für ihren Dienst erhalten die engagierten Teenager noch ein Zertifikat, das sie ihren zukünftigen Bewerbungen beilegen können.

Die Aktionen der Tutoren, deren Durchführung vom Förderverein der Stephani-Mittelschule sowie der Gumbertus-Stiftung Ansbach maßgeblich finanziert wurde, haben sich also in vielfältiger Weise gelohnt, wie Pfaffinger letztlich nochmals untermauert: „Sogar die Neuntklässler haben sich durch die Gemeinschaftsaktionen untereinander nochmals viel besser kennengelernt. So manche Starthelfer-Gruppe musste sich jedoch erst zusammen raufen, um dann als Team gut arbeiten zu können.“

Am Montag, 21. Oktober 2019, fand an der Stephani-Mittelschule Gunzenhausen wieder das Planspiel „Bewerbungsgespräche“ für 63 Schüler der 9. und 10 Jahrgangsstufen statt.

Ziel dieses Projektes war, dass Mitarbeiter von 21 regional ansässiger Firmen aus Ihrer beruflichen Erfahrung heraus den Schülern wichtige Hinweise zum Verhalten bei Bewerbungs- und Vorstellungsgesprächen gaben. Mit Zeugnis, Bewerbungsschreiben und Lebenslauf ausgerüstet traten die Schüler zum Vorstellungsgespräch an. Dazu wurden mehrere Klassenzimmer zu Personalbüros umfunktioniert. Nach der Simulation bekamen die Schüler eine kurze Rückmeldung und Verbesserungsvorschläge. Tipps von Experten zu Formulierungen im Bewerbungsschreiben, zu Kleidung und Frisur, zum Redeverhalten und zu höflichen Umgangsformen konnten für unsere Schüler eine sehr wertvolle Hilfe zu einem erfolgreichen Start in das Berufsleben sein. Die beteiligten Firmen:

Die Achtklässler der Stephani-Mittelschule und der Altmühlfranken-Schule an den Standorten in Weißenburg sowie Gunzenhausen setzten sich im Rahmen des Projektes „Farbe bekennen! – Gegen Rassismus im Alltag“ mit den Themen Menschenrechte, Diskriminierung, Rassismus und Hass im Netz (sogenanntem „Hate Speech“) auseinander. Initiiert wurden die Unterrichtseinheiten, die als Einstieg zum Projekt Filmendes Klassenzimmer dienten, von den Jugendsozialarbeitern Veronika Schmidtpeter, Carola Schmidt (beide vom Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen) sowie Thomas Pfaffinger (Diakonie Weißenburg-Gunzenhausen). Unterstützend brachte sich zudem Schulsozialpädagogin Lisa Knorr mit ein.

„Alle Menschen haben Vorurteile und Vorhaltungen gegenüber anderen“, führt Veronika Schmidtpeter den erstaunten Schülern vor Augen. „Mit Vorurteilen und auch mit Rassismus ordnen wir unser Leben in bestimmte Kategorien – und damit finden wir uns einfacher im Alltag zurecht. In gewisser Weise sind wir alle rassistisch.“ Rassismus ist also allgegenwärtig, ob im Supermarkt um die Ecke oder in seinen neuesten Formen als Hasskommentare im Netz. Insbesondere der schleichende Übergang zu Diskriminierung führt dazu, dass Menschen herabgewürdigt und benachteiligt werden. Anhand eines Filmbeitrags von Ali Can, der als Initiator einer „Hotline für besorgte Bürger" national wie international bekannt geworden ist, wird deutlich, dass Menschen nicht pauschal in die rechte Ecke gestellt werden dürfen, sondern vielmehr das Gespräch mit ihnen gesucht werden sollte.

Im Folgenden beschäftigen sich die Jungen und Mädchen mit den Menschenrechten. Diese gelten – im Gegensatz zu den Bürgerrechten, die nur für deutsche Staatsbürger Anwendung finden – für alle Menschen in unserem Land. Menschenrechte sind angeboren und können weder verliehen noch aberkannt werden. Die Jugendlichen erarbeiten, was sich hinter Artikel 1 „Alle Menschen sind gleich und frei“ oder Artikel 15 „Jeder hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit“ verbirgt und wie diese Rechte mit Leben gefüllt werden.

Anhand der Spielaktion „Alle, die …“ wird den Schülern nahe gebracht, wie leicht es ist, Menschen in bestimmte Kategorien einzuordnen. „Nicht der erhobene Zeigefinger bewirkt unserer Erfahrung nach etwas“, macht Thomas Pfaffinger deutlich, „sondern vielmehr möchten wir erreichen, dass die Jugendlichen kritisch über sich selbst, ihre Werte und ihre Einstellungen ins Nachdenken kommen.“ Besonders eindrucksvoll ist die Aktion „Ein Schritt nach vorn“: Die Jungen und Mädchen werden aufgefordert, anhand pauschaler Aussagen in eine Rolle zu schlüpfen, zu der sie nun Fragen wie „Glaubst Du, dass Du viele Freunde hast?“ oder „Glaubst Du, dass Du Dir einen Urlaub leisten kannst?“ beantworten. Kann diese Frage mit „Ja“ beantwortet werden, geht es beispielsweise für „eine 20-Jährige mit Kopftuch“ einen Schritt nach vorne. Dies verdeutlicht den jungen Menschen, welche Zuordnungen in unseren Köpfen ablaufen, wie schnell wir dazu neigen, bestimmten Personengruppen Eigenschaften und Merkmale anzuheften – ohne Näheres über diese Menschen zu wissen. Ganz vorne finden sich schließlich Beschreibungen á la „Du bist 20 Jahre alt und Sohn eines Arztes“, während „Du sitzt seit Geburt an im Rollstuhl“ weiter hinten seinen Platz findet. Im  Auswertungsgespräch wird mit den Schülern darauf eingegangen, wie sie sich in ihrer Rolle gefühlt haben, wie leicht es ihnen fiel, Antworten auf die Fragen zu finden. Zumal sind einige von den Antworten ihrer Mitschüler sehr überrascht, hätten sie selbst so manche Frage doch ganz anders beantwortet – und damit der Rollenfigur zu einem anderen Platz in der Rangfolge verholfen. Eindrucksvoll, welch unterschiedliche Bilder in den jeweiligen Köpfen entstehen – jeweils begründet aus eigenen Erfahrungen und Erlebnissen.

Anschließend kommen noch junge Menschen zu Wort, die selbst Erfahrungen mit Alltagsrassismus und Diskriminierung gemacht haben. Anhand mehrerer Filmbeiträge erzählen diese – die oftmals in Deutschland geboren und hier aufgewachsen sind – von Anfeindungen aufgrund von Hautfarbe oder Aussehen. Ein  provokantes Sozialexperiment rundet die inhaltliche Auseinandersetzung ab: "Ausländer müssen hinten sitzen" – steht da auf dem Schild im Bus. Wie die Menschen darauf reagieren, ist erstaunlich. 2015 wurde dieses Experiment gewagt und mit versteckter Kamera verfolgt,  wie Mitfahrer hierauf reagieren. „Tolerierten die Menschen den Rassismus im Bus? Eine spannende Frage, die die Jungen und Mädchen aufwühlt und mit Sicherheit weiter beschäftigt“, berichtet Carola Schmidt.

Die Unterrichtseinheit mündet darin, dass die Schüler sich anhand von kurzen Rollenspielen weiter mit den Themen beschäftigen. Schließlich soll am Ende eine jede Klasse ein Drehbuch zum Projekt „Farbe bekennen! – Gegen Rassismus im Alltag“ erarbeiten und dieses in einen Wettbewerb mit den anderen Teilnehmern einreichen. Die Siegerklasse darf in die Bavaria Filmstudios nach München fahren. „Dort können die Jugendlichen dann erleben, wie aus ihrer Geschichte ein eigener Film wird“, erläutern die Fachkräfte.

Praktische Einblicke in demokratische Prozesse erhielten in den vergangenen Wochen die Schüler der Stephani-Mittelschule: Die Wahl der Schülersprecher stand an, die entsprechenden Kandidaten mussten verschiedene Phasen durchlaufen, um  letztlich in ihr Amt gewählt zu werden. In einer großen Wahlveranstaltung stellten sich diese schließlich in der Turnhalle der Schulgemeinschaft vor. Pelin Kayis (Klasse 10aM), Emilian Tuclea (9cM) und Niruban Nimalan (8b) gingen als Sieger hervor. Bei der Wahl wurden außerdem Stefanie Pitzer und Johannes Kergl als Vertrauenslehrer bestimmt.

Zuvor wurden in der Mittelschule durch die verantwortliche Lehrkraft Dunja Grünbaum und Jugendsozialarbeiter Thomas Pfaffinger (Diakonie Weißenburg-Gunzenhausen) potentielle Kandidaten für das Amt bei den Schülern abgefragt. Ein jeder konnte Vorschläge mit den Namen seiner Mitschüler, die er für das verantwortungsvolle Amt für geeignet hält, einreichen. Nach einigen Vorgesprächen sowie einem ersten Treffen blieben sieben Jungen und Mädchen übrig, die sich eine Kandidatur für den Posten ernsthaft zutrauten. Im Folgenden galt es, für sich Wahlwerbung zu betreiben. Hierzu gestalteten die Kandidaten eigenständig Plakate, auf denen sie sich kurz mit ihren Zielen vorstellten. Neben diesem Werbemittel suchten sogleich manche in den Pausen das Gespräch mit den Mitschülern und gingen hier auf Stimmenfang. „Einige der Kandidaten entwickelten einen großen Ehrgeiz. Sie nutzten sogar die sozialen Medien, um sich bei den Gleichaltrigen bekannt zu machen“, schildern Grünbaum und Pfaffinger.

Ihren großen Auftritt hatten die Kandidaten letztlich im Rahmen einer Wahlarena, die in der Stephani-Halle stattfand. Hier mussten sich die Jugendlichen auf der „großen Bühne“ präsentieren: Schon die Outfits der Teenager waren dem Anlass entsprechend angepasst, Hemd sowie Anzughose wurden aufgetragen, um auch optisch einen guten Eindruck zu machen. Schließlich stellte sich jeder der Kandidaten mit einer Rede vor, wobei die kreativen Vorschläge von einem Pizza-Tag, verschiedenen Sport-Turnieren, der Verpflegung in den Pausen bis hin zum Thema Integration reichten. Hernach musste sich ein jeder den teils kritischen Rückfragen der Schülerschaft stellen. Hier zeigte sich rasch, wer gut vorbereitet war. Witzige Sprüche sowie wenig durchdachte Ideen wurden – wie sich später bewies – beim Ankreuzen in den Original-Wahlkabinen, die durch die Stadt Gunzenhausen zur Verfügung gestellt wurden, gnadenlos abgestraft.

Die Auszählung der abgegebenen Stimmen übernahmen anschließend die Mitglieder der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Schülermitverantwortung“ (SMV). Hier engagieren sich motivierte Jungen und Mädchen, denen daran gelegen ist, Aktionen rund um das Schulleben zu organisieren. Dieser Gruppe gehören nun auch Pelin Kayis, Emilian Tuclea und Niruban Nimalan an. Als Schülersprecher bilden sie darüber hinaus ein wichtiges Bindeglied zwischen Schülern, Lehrern und Schulleitung, sie wirken an der Weiterentwicklung ihrer Schule mit, können eigene Ideen entwickeln und umsetzen.